Allgemein Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern e.V.

Engagiertes Jugendforum in Coburg

Am Mittag mache ich mich von Hof aus auf den Weg in die Jugendbildungsstätte Neukirchen, im wunderschön gelegenen Lautertal im Coburger Land. Hier mache ich drei Tage lang Station, um entlang des Lutherwegs mit Luthers Kindern ins Gespräch zu kommen. Die erste Begegnung wird mit dem Jugendforum des Bundesprogramms „Demokratie leben“ in Coburg unweit vom Lautertal stattfinden.

Bei meiner Ankunft in der Jubi Neukirchen war großer Bahnhof angesagt. Ein Teil der Synodalen der in Coburg stattfindenden Landessynode besuchten die Jubi, um sich einen Eindruck von der Einrichtung zu verschaffen. Die Jugendbildungsstätte Neukirchen wurde 1976 eröffnet und ist mittlerweile, wie man so schön sagt, in die Jahre gekommen. Eine Sanierung nach 40 Jahren ist dringend von Nöten. Da bedarf es der Werbung finanzieller Mittel in beachtlicher Höhe. Ob und wie das Geld zusammen kommt wird sich in nächster Zeit zeigen. Für junge Menschen bieten solche Orte eine Freizeit vom Alltag, geben neue Denkanstöße, erweitern den eigenen Horizont und schaffen Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft die gerade in der Phase der Jugend einen existenziellen Beitrag für das Individuum und für die Gruppe leistet. Sie gibt Halt und Orientierung in einer zunehmend komplexeren Welt.

Keine 500m vom Coburger Lutherweg entfernt liegt das Jugend- und Kulturzentrum Domino, in dem sich regelmäßig das Jugendforum  trifft. Ein bunter Haufen von engagierten Jugendlichen mit verschiedensten Hintergründen. Ich durfte bei der Sitzung anwesend sein, um im Anschluss mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Ein wichtiges Thema im Forum war die Planung von Aktionen im Vorfeld der Bundestagswahl, bei denen junge Menschen mit Politiker*innen ins Gespräch kommen können. Verschiedene Formate vom Spieleabend bis hin zu einem Krimi-Diner wurden besprochen. Ein Antrag für eine Seminarveranstaltung mit einem Islamwissenschaftler, der selbst aus seiner Heimat flüchten musste, wurde gestellt. Im Rahmen einer Forschungsarbeit ist er nach Jordanien gereist und hat sich dort mit geflüchteten Syrer*innen über deren Fluchterlebnisse, den Lebensalltag und Perspektiven ausgetauscht. Ihn wollen sie nach Coburg einladen und mehr von ihm und seiner Arbeit erfahren. Einige waren zum ersten Mal dort und erlebten eine unkomplizierte und entspannte Runde von jungen Menschen, die etwas bewegen wollen.

Im Gespräch mit den Jugendlichen wurde schnell deutlich, dass das Thema Bildung einen hohen Stellenwert besitzt, hier aber auch einer der größten Reibungspunkte besteht. Die Schule wird als Ort wahrgenommen in dem Kindern und Jugendlichen zwar Wissen vermittelt wird, aber Wissensvermittlung nur ein Teilbereich der Vorbereitung auf das Hineinwachsen in die Gesellschaft sein kann. Eine adäquate Vorbereitung auf das was später auf junge Menschen zukommt, erfolgt nur in sehr geringem Maße. Bei einer Wissensvermittlung nach dem Gießkannenprinzip kommt die Förderung individueller Talente und Fähigkeiten häufig zu kurz und kann den individuellen Anforderungen und Bedürfnissen nicht gerecht werden. Auf welche Art und Weise der Lernstoff vermittelt wird, nimmt bereits im Lehramtsstudium einen verschwindend geringen Anteil ein, das haben die Jugendlichen klar erkannt und sehen hier einen großen Mangel. Auch die scheinbare Logik des Bildungssystems, junge Menschen möglichst schnell mit Bildungsabschlüssen zu versorgen, um sie dann ins Berufsleben zu schicken wurde kritisiert. Raum und Zeit eigene Ideen und ein Gefühl dafür zu entwickeln von dem was man kann, was man möchte und was einem liegt kommen dabei viel zu kurz.

Überraschend für mich war, dass die Jugendlichen durchaus das Gefühl haben von Politik und ihren Vertreter*innen wahrgenommen zu werden. Es gibt durchaus Wege und Möglichkeiten bei denen sich junge Menschen und Politiker*innen begegnen und ein Austausch zustande kommt. Ernüchternd wiederum war die Einschränkung, dass Bedürfnisse, Interessen und Verbesserungsvorschläge zwar gehört werden, wenn es jedoch an die Umsetzung geht, kommt das Rad der Beteiligung häufig ins Stocken. Das nicht ernst nehmen von Jugendlichen lässt die Motivation an Partizipation und den Gestaltungswillen rapide dahin schmelzen. Potenzial und Lust am Gestalten sind aber reichlich vorhanden und lassen Jugendliche kreativ werden. Das Format des Jugendforums vom Förderprogramm „Demokratie leben“ ist ein guter Anfang junge Menschen ernst zu nehmen und ermöglicht Spielräume, um sich auszuprobieren und in dem sich junge Menschen erfahren können. Aktuell steht die Planung einer großen Spray-Aktion auf dem Programm, die von den Jugendlichen organisiert wird und die ohne diese finanzielle Unterstützung nicht möglich wäre.

Eine spannende und interessante Gesprächsrunde mit vielen engagierten und motivierten jungen Menschen durfte ich an diesem Abend erleben. Auch auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank ans das Jugendforum für das engagierte Diskutieren und die Offenheit, die mir entgegengebracht wurde.

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